3 Uhr morgens. Draußen nieselt es, der Schlafsack ist endlich richtig warm, und deine Blase hat andere Pläne. Verhandeln bringt nichts, das hat noch nie geklappt. Mit ein bisschen Vorbereitung bist du aber in zwei Minuten wieder drin und schläfst weiter, statt um halb vier hellwach Sterne zu zählen.
Bevor du hochkletterst
- Noch einmal aufs Klo gehen, auch wenn du gerade nicht musst. Gerade dann.
- Schlappen oder Schuhe direkt an die Leiter stellen, die Spitzen nach außen. Dann schlüpfst du im Halbschlaf einfach rein.
- Die Stirnlampe mit Rotlicht griffbereit ans Kopfende legen, nicht irgendwo in den Rucksack.
Die Leiter um drei Uhr morgens
Nachts ist die Leiter nass, kalt und rutschiger, als sie tagsüber aussieht. Barfuß ist keine gute Idee, im Halbschlaf schon gar nicht. Wer runter muss: Schuhe an, Licht an, rückwärts steigen und mit beiden Händen an die Leiter. Das Handy kommt in die Tasche, nicht zwischen die Zähne.
Die Flasche, aus der du nie trinkst
- Eine Weithalsflasche mit dichtem Schraubdeckel, etwa eine Nalgene mit weiter Öffnung. Ein Liter ist entspannt, ein halber wird schnell knapp.
- Für Frauen gibt es Trichter (Female Urination Device) wie Shewee oder Pibella. Am besten erst tagsüber unter der Dusche üben, bevor es nachts im Dachzelt ernst wird. Kniend klappt es dort meist am besten.
- Unbedingt eine andere Farbe als die Trinkflasche nehmen und groß beschriften. „Nicht trinken“ ist ein Klassiker, der sich bewährt hat.
- Morgens im Sanitärgebäude leeren und gründlich ausspülen. Nicht ins Gebüsch kippen.
Kino für die Nachbarn
Brennt im Dachzelt Licht, wird die Zeltwand zur Leinwand. Draußen sieht man jede Bewegung, nur größer und mit mehr Drama. Was für dich nach „schnell in die Flasche“ aussieht, ist für den Platz gegenüber großes Schattentheater.
- Vor dem Umziehen oder Pinkeln das Licht aus. Das Display vom Handy reicht meist schon.
- Wenn Licht, dann Rotlicht, gedimmt und nach unten auf die Matratze gerichtet. Nie an die Decke hängen.
- Fenster und Fliegengitter zur Nachbarseite schließen. Licht, das nach draußen fällt, stört ohnehin die Nachtruhe.
- Ein Schatten auf der Zeltwand entsteht nur, wenn es innen heller ist als außen. Ein Licht draußen an der Leiter verrät dich also nicht.
Wenn es mehr als Pipi ist
- Eimertoilette oder Klapptoilette mit Gel-Beuteln, etwa WAG Bag von Cleanwaste. Ein Pulver im Beutel bindet alles und neutralisiert den Geruch. Beutel gut verschließen und bis zum Morgen in einen dichten Behälter mit Deckel.
- Der Hersteller gibt die Beutel für den Restmüll frei. Lies trotzdem die Packung und halte dich an das, was am Platz gilt.
- Klassisch ist eine tragbare Chemietoilette wie die Thetford Porta Potti. Sie wird nur an Entsorgungsstationen oder an den dafür gekennzeichneten Ausgüssen am Platz geleert, nie in der Natur.
- Wie das Entleeren richtig geht und wohin der Inhalt der Kassette gehört, steht im Artikel „Ver- und Entsorgung“.
Die Luxusklasse
Die Clesana X1 braucht kein Wasser und keine Chemie. Nach jedem Gang verschweißt sie alles in einem eigenen Folienbeutel, die Größe S, M oder L wählst du per Knopf. Strom kommt über 12 V, 230 V oder einen 18-V-Akku aus dem Einhell-System Power X-Change, den es separat gibt. Eine Ladung mit 4 Ah reicht für rund 40 Beutel. Sie misst etwa 34 × 38 cm, wiegt je nach Angabe 11 bis 14 kg und kostet um die 1.100 Euro. Für alle, die ihr Geschäft lieber versiegelt wissen. Ehrlich gesagt passt sie eher in den Van oder den Kofferraum als ins Dachzelt.
Wo es keine Toilette gibt
- Bist du auf Tour, wo es weit und breit keine Toilette gibt und Übernachten erlaubt ist: ein Loch graben, 15 bis 20 cm tief und mindestens 60 m weg von Wasser, Wegen und Stellplätzen. So empfiehlt es Leave No Trace (6 bis 8 Inches, 200 Feet). Eine kleine Schaufel gehört dafür ins Gepäck.
- Danach zuschütten und leicht festtreten.
- Papier kommt im Beutel wieder mit, nicht ins Loch. Feuchttücher und Hygieneartikel sowieso.
Bitte nicht hinter den Nachbarwohnwagen
Dinge, die man nur einmal falsch macht
- Die Flasche ohne Deckel ins Netz über dem Kopf legen.
- Trinkflasche und Nachtflasche in derselben Farbe kaufen.
- Barfuß auf die nasse Leiter.
- Gegen den Wind.
- Stirnlampe an die Decke gehängt, Vorhang auf, Vorstellung läuft.



